Ein Abend

Seit dem frühen Morgen, jedenfalls seit es hell wurde – so hell es geworden ist – trieb der Wind Wolken über das Meer, grimmige Heerscharen, die unaufhörlich gegen den Tag anstürmten.
Das Land gleicht dem Meer, in Wellen rollen die Felder und Weiden von Horizont zu Horizont, auf Hügeln stehen vereinzelte Bauernhöfe, wie Fischerboote auf dem Meer zerstreut, umgeben von windschief gebeugten Bäumen, wie gefrorener Gischt, als sei das Land der Zeit beraubter Raum.

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Abend

Eine Saite ist durch mich hindurchgegangen, leise –

des Tages Leere hat Abschied genommen,
voller Hinwendung ist der Abend und voller Empfang,

behutsam den Atem verhaltend gebe ich mich hin,
bedacht, dass sie nicht reißen möge –

sanft zitterndes Beben entrang sich ätherischem Gespinst.

September 2009

Foto: © streiflichter