Später, am selben Abend

Wie ist Jens hierhergekommen? Nicht warum, das leuchtet ein, unmittelbar, unzweifelhaft, doch das Wie, das Wie ist die Frage, die ich mir stelle. Weniger wegen Jens, doch vielleicht machte es mir Mut zu wissen, wie ihm das gelang, was mich so ratlos macht.

Was mag sich Jens gedacht haben, welche Fragen mögen ihn umgetrieben haben? Ob er sich das Gleiche fragte, wie ich jetzt? Als jemand, den es hinaus zieht an das Meer, als jemand der der Beklemmung der Stadt entfliehen will in die Freiheit zwischen Himmel und Meer, vor dem Horizont?

Und Niels? Ist es wirklich möglich, schon immer dort zu sein, angekommen? Muss man nicht immer aufbrechen, um zu seiner Bestimmung zu gelangen, um ankommen zu können? Ist es das Andere, das uns anzieht oder lässt uns erst die Entfernung das Eigene klarer erkennen?

Wie erkenne ich also meinen Reiseweg ohne recht eigentlich das Ziel schon zu kennen?

Der Nebel über der morgendlichen Wiese erschien undurchdringlich, die Straße führte über die Hügelkuppe direkt in das Ende der Welt. Eine Erinnerung, wie viele andere, doch warum bleiben gerade die Abgründe und Unmöglichkeiten so lebendig? Mit jedem Schritt in den Nebel wuchs Straße in die dem Nichts entwachsende Welt hinein bis heran an den Leuchtturm, bis an den Horizont.

Wie besonders gut schmeckt die heiße Schokolade nach einem herbstkalten Spaziergang unter den windumtosten Klippen. Kommt es nicht darauf an, dass die Bilder in die Welt gekommen sind? Im Museum, wo Jens‘ Arbeitstisch noch steht, als wäre er selbst gerade und nur kurz hinuntergegangen zum Strand? Und im Café die der anderen die hier sind, hier zwischen Himmel und Meer, vor dem Horizont?

Kommt es nicht darauf an, in die Welt zu treten und zu sein? In die Welt zu treten und etwas zur Existenz zu bringen?

Ein Abend

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Ein Kommentar zu “Später, am selben Abend

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