Gefrorene Zeit, ein Gastbeitrag von Karfunkelfee

Immerwiederkehrende
gleiche Nächte
in Felsenschächten
stockt jahrmillionenaltes Eis
alles bleibt darin gefangen
tief schlundet
feuerfließend eingeschlossen
die Ewigkeit
in Stein, in Sternen,
im Erdherzen,
ein Flussversprechen
wärmerer Zeit.

Frostfrorn stehn
Gräser am Himmel
ihre spröden Stimmen
klagen filigran
in ihrem Zerbrechen
ihre Zartheit an
Eis ist gewissenlos
es tröstet
was es einfrieren kann.

© Karfunkelfee

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In Schweigen ruht

In Schweigen ruht gefroren unbewusste Nacht,
als Sandkörner in ewigem Stundenglas sind
Sterne, Galaxien geworfen ins Nichts,
schaffen Raum durch ihrer Bahnen Wellen,
verschwenden, verzehren sich,
unerkannt, ungerühmt.

Leere, Weite, Augenblicke, Ewigkeiten
liegen verschlossen in schwarzer Stille,
des Seins beraubt ohne erlösenden Schrei
eines vom Licht Getroffenen,
eines dem Licht Geöffneten.

Welt, Leben, Tod – dem Nichts entrissen
durch von Lippen geformten Atem,
Spiegel durchschreitend eintauchen in
ursprüngliche, ungewusst gefrorene Nacht –
Sieh! und Schrei!

Ich möchte fühlen ich bin

Ich möchte stehen am Meer,
auf einer Klippe über Sturm umtoster See
und schauen, wie Himmel mit Horizont sich vermählt.

Ich möchte streifen durch einen Wald,
zwischen Bäumen wie Säulen eines Doms,
und spüren, wie Zeit Ewigkeit gebiert.

Ich möchte erklimmen einen Berg,
mir Hände und Füße stoßen am harten Fels,
näher dem Himmel, erkennen die Welt.

Ich möchte gehen hinab ins Tal, barfuß,
näher fühlen Schwere und Wärme mütterlichen Schoßes,
ausgestreckt liegen, wurzeln in der Erde, blicken himmelwärts.

Doch sein will ich am Meer:
umgeben von Horizont fühlen –
ich bin.