Gefrorene Zeit, ein Gastbeitrag von Karfunkelfee

Immerwiederkehrende
gleiche Nächte
in Felsenschächten
stockt jahrmillionenaltes Eis
alles bleibt darin gefangen
tief schlundet
feuerfließend eingeschlossen
die Ewigkeit
in Stein, in Sternen,
im Erdherzen,
ein Flussversprechen
wärmerer Zeit.

Frostfrorn stehn
Gräser am Himmel
ihre spröden Stimmen
klagen filigran
in ihrem Zerbrechen
ihre Zartheit an
Eis ist gewissenlos
es tröstet
was es einfrieren kann.

© Karfunkelfee

Liebe ist, ein Gastbeitrag von Karfunkelfee

Liebe ist auch
an den anderen zu denken
wenn man nicht an gemeinsamen Feuern sitzen kann
die Oberflächenprägungen unterschiedlicher nicht sein könnten
das Licht der Länder wechselt
die Wege ungekreuzt in nicht gemeinsame Weiten führen
und die Herbststürme wehn
um keine gemeinsame Zeit

© Karfunkelfee

Als Kommentar zu meinem Post Liebe ist hat Karfunkelfee ein eigenes Gedicht geschrieben. Es gefällt mir so gut, dass ich sie gebeten habe, es als neuen Artikel posten zu dürfen, damit es nicht in den Kommentaren verloren geht.

Wunsch

Lass mich sehen mit Deinen Augen das Meer,
auf einer Klippe über Sturm umtoster See den Wind
in Deinen Haaren fühlen und greifen mit Deinen Händen,
sehen, wie Horizont und Himmel verschmelzen.

Lass mich mit Deinen Augen blicken hinab in die Welt,
lass mich im Tal, näher dem Herzen der Erde wurzelnd,
mit Deiner Haut spüren die Schwere und Wärme
des mütterlichen Schoßes und weitere Heimat beziehen.

Lass mich das Vergehen, das Erlöschen der Zeit spüren
im Schlagen Deines Herzens, sein Dein schlagendes Herz,
mit Deinen Augen, in Deinen Augen erblicken die Sterne
zum ersten Mal und Welt Wirklichkeit werden sehen.

So möchte ich Dich fühlen, sein in Dir.

Ich möchte fühlen ich bin

Ich möchte stehen am Meer,
auf einer Klippe über Sturm umtoster See
und schauen, wie Himmel mit Horizont sich vermählt.

Ich möchte streifen durch einen Wald,
zwischen Bäumen wie Säulen eines Doms,
und spüren, wie Zeit Ewigkeit gebiert.

Ich möchte erklimmen einen Berg,
mir Hände und Füße stoßen am harten Fels,
näher dem Himmel, erkennen die Welt.

Ich möchte gehen hinab ins Tal, barfuß,
näher fühlen Schwere und Wärme mütterlichen Schoßes,
ausgestreckt liegen, wurzeln in der Erde, blicken himmelwärts.

Doch sein will ich am Meer:
umgeben von Horizont fühlen –
ich bin.